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Oft schwingt Ironie mit: Chris Cacavas, E-Werk, Erlangen, 11.05.1999

Chris Cacavas stellte Songs aus seinem neuen Album"Anonymous' vor

Auf seiner dreiwöchigen Deutschland-Tour war Chris Cacavas auch im E-Werk zu Gast. Das Publikum bekam bei dem fast zweistündigen Konzert die Songs aus seinem Album "Anonymous" vorgestellt, das erste ohne die Band Junkyard Love. Gedämpftes Licht und Kerzen im Mehrzweckbereich versprachen, was der sympathische US-Amerikaner hielt: nachdenkliche und melancholische Musik. Mit der Gitarre oder am Klavier sang er über den Gemütszustand "sullen, less than hopeful", andere Titel hießen "you gonna pay" oder "negative mantra".

Keine depressive Stimmung

Wehmütig wurde es, wenn die Mundharmonika die Lieder untermalte. Aber seine angenehme Stimme sowie die Ironie, die immer wieder in den Texten mitschwang, ließen keine depressive Stimmung aufkommen. So lautete eine Passage: "The more you know me, the more I'm joking." Vielmehr sorgte Cacavas, zum Teil völlig versunken in sich dafür, daß man das Gefühl hatte, er spiele ausschließlich für sich selbst und gleichzeitig nur für einen persönlich. Dann wieder kokettierte er, bewaffnet mit Bier und Zigaretten, mit seinen Deutsch-Kenntnissen, und die Musik wurde munterer: in "I like Rock 'n' Roll" oder "everything's going to be alright" kamen dann Klavier und Gitarre auch solo richtig zur Geltung. Dementsprechend wurde jedes Lied ausführlich beklatscht und auch die Zugabe durfte nicht fehlen.

Einen Namen kann der Singer und Songwriter der Musik, die er macht nicht geben; inspiriert sei er durch die unterschiedlichsten Genres. Das Album"Anonymous" sieht der 38jährige als einen weiteren Schritt in seiner musikalischen Entwicklung, der auf die Zeit mit seiner Ex-Band Junkyard Love folgte. Deren Stil bezeichnet er als "sehr lauten Folk". Obwohl Chris Cacavas jetzt 20 Jahre im Musikbusiness ist und schon lange Zeit als Geheimtip gehandelt wird, kam der große Durchbruch nie. Er kann dem auch Gutes abgewinnen, bringt Erfolg seiner Meinung nach doch oft mit sich, daß man sich musikalisch nicht mehr weiterentwickelt.

Stimmungsvolles Club-Amblente

Nachdem die Deutschland-Tournee zu Ende ist wird sich die Möglichkeit,e Chris Cacavas live zu sehen, nicht wieder so schnell ergeben. Die Exklusivität, die solch ein Abend mit schöner, aber nicht kommerzieller Musik in einem stimmungsvollen Club-Ambiente ohne Massenpublikum bietet, kann aber vielleicht dazu anregen, öfter auch mal die kleineren Konzertankündigungen genauer ins Auge zu fassen.

Silke Repky, Erlanger Nachrichten , Kulturteil , 18.05.1999


last update : 08 August 1999